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Ernährungs- und Umweltauswirkungen des schweizerischen Lebensmittelverzehrs

 

Angesichts begrenzter Ressourcen und einer wachsenden Weltbevölkerung brauchte es nachhaltigere Ernährungsmuster und eine Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Globale und nationale Anstrengungen zur Optimierung von Ernährungssystemen können wesentlich zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 beitragen.

​​Hintergrund (abgeschlossenes Forschungsprojekt)​​

Die globale Nahrungsmittelnachfrage wird bis zum Jahr 2050 um etwa 70 Prozent ansteigen. Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion haben den grössten Einfluss auf die Ressourcennutzung und die ökologische Nachhaltigkeit. Zudem sind ernährungsbedingte Erkrankungen die häufigste Todesursache und führen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Eine angemessene Ernährung sicherzustellen und gleichzeitig die Umweltbelastung so klein wie möglich zu halten, wird daher immer wichtiger. Ernährungssysteme weltweit müssen sich dieser Herausforderung stellen, um mehr Nachhaltigkeit in der Ernährung der Menschen zu erreichen.

Ziel

Wir wollten ein neuartiges Rahmenwerk entwickeln, welches eine multiindikatorbasierte Umwelt- und Ökosystemfolgenabschätzung mit Ernährungsqualitätsbewertung kombiniert, um die Nachhaltigkeit der nationalen Nahrungsmittelsysteme zu bewerten.

Resultate

Erstens präsentiert das Projekt eine globale Analyse zum Nachhaltigkeitsstatus nationaler Lebensmittelsysteme mit 25 Indikatoren in sieben Messgrössen. Kein Land kann von sich behaupten, ein perfekt nachhaltiges Lebensmittelsystem zu haben. Wie die meisten anderen Länder mit hohen Einkommen schneidet die Schweiz im Bereich der sozialen Indikatoren gut ab, weniger gut sind die Zahlen in den Bereichen Umwelt, Nahrungsmittelverluste und gesundheitsfördernde Ernährung. Länder mit tiefen Einkommen schneiden gut ab, was die Umweltauswirkungen pro Kopf im Bereich Ernährung betrifft, dafür sind die Bereiche Nährwert und soziale Aspekte schwach.

Zweitens haben wir verschiedene Szenarien möglicher Veränderungen in der Ernährung analysiert, um zu zeigen, in welcher Grössenordnung die Schweiz bezüglich Umwelt, Gesundheit und Wirtschaft von einer nachhaltigeren Ernährung profitieren könnte. Durch die Befolgung der Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (https://www.sge-ssn.ch/) könnten wir den ökologischen Fussabdruck unserer Ernährung um 36% senken, könnten 33% Kosten sparen und negative Gesundheitsauswirkungen um 2,7% vermindern. Eine vegetarische oder vegane Ernährung kann dazu führen, dass uns gewisse Spurenelemente fehlen, die wir gegenwärtig hauptsächlich über tierische Produkte zu uns nehmen (Vitamin B12, Chilin und Kalzium).

Drittens zeigt die Quantifizierung der globalen Lebensmittelverschwendung, dass im weltweiten Durchschnitt jährlich 65kg Lebensmittel pro Person verloren gehen. Von den verschwendeten Lebensmittel könnte sich eine Person 18 Tage lang gesund ernähren, wenn wir die 25 Nährstoffe berücksichtigen, die in der Analyse verwendet wurden. Der ökologische Fussabdruck des täglichen Nahrungsmittelverlusts pro Person beläuft sich auf 124 g CO2-eq, 58 Liter Süsswasser, 0,36 m2 Ackerlandnutzung, 2,90 g Stickstoff und 0,48 g Phosphor. Die Nährstoffe und der ökologische Fussabdruck der verschwendeten Nahrungsmittel unterscheiden sich von Land zu Land. Deshalb müssen Massnahmen zur Veränderung des Essverhaltens und der Verminderung von Lebensmittelverlusten auf die einzelnen Länder abgestimmt werden. Länder mit hohen Einkommen verschwenden sechsmal mehr Lebensmittel pro Person als Länder mit tiefen Einkommen. Die damit verbundene Umweltbelastung ist zehnmal höher als in Ländern mit tiefen Einkommen.

Viertens ist unsere ernährungsbezogene kombinierte Umweltverträglichkeitsprüfung für einzelne Lebensmittel ein nützliches Werkzeug, das den aggregierten Nährwert, wie z. B. den Nährstoffbilanz-Score, mit der LCA-Analyse verknüpft, um gleichzeitig die Nährstoffdichte im Verhältnis zur Nachhaltigkeit von Nahrungsmitteln zu bewerten.

Bedeutung

Bedeutung für die Forschung

Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass Messgrössen für Lebensmittelsysteme, die zur Erfassung des aktuellen oder zukünftigen Nachhaltigkeitsstatus verwendet werden, ganzheitlich sein sollten. Zudem sollten sie Zielkonflikte zwischen verschiedenen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Aspekten erkennen. Die Ergebnisse leisten einen Beitrag zu laufenden Arbeiten über Essgewohnheiten und Lebensmittelverschwendung auf der ganzen Welt.

Unser Projekt stellt Vorlagen und quantitative Werkzeuge für die Durchführung von nachhaltigkeitsorientierten Lebensmittelstudien bereit.

Bedeutung für die Praxis

Unsere länderspezifische quantitative Analyse hilft Entscheidungsträgern, Ziele zur Verbesserung in bestimmten Bereichen zu setzen und Abläufe einzuführen, ohne dabei andere Nachhaltigkeitsindikatoren aus den Augen zu verlieren. Der Multi-Indikator-Ansatz ermöglicht es, die Auswirkungen alternativer Strategien zu bewerten, die auf einen bestimmten Aspekt abzielen. Gleichzeitig können wir die Auswirkungen auf andere Aspekte des Lebensmittelsystems im Auge behalten. Die ganzheitliche Analyse des Projekts trägt so zu einer Weiterentwicklung im Bereich Nachhaltigkeitsbewertung bei. Sie bietet Einblicke in die potenziellen Auswirkungen von Massnahmen, die sowohl die Gesundheit der Menschen als auch des Planeten verbessern sollen.

Originaltitel

Nutritional combined Environmental Impact Assessment of Swiss Food Consumption and Trade

Projektverantwortliche

Projektleitung

  • Prof. Dr.-Ing. Alexander Mathys, Institute of Food, Nutrition and Health, ETH Zürich

Projektpartner

  • MIGROS
  • Pulse Canada​​

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

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Prof. Dr.-Ing. Alexander Mathys Institute of Food, Nutrition and Health, ETH Zürich LFO E 12.2
Schmelzbergstrasse 9
8092 Zürich +41 44 632 97 63 alexander.mathys@hest.ethz.ch

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